• 15. - 18.03.2022
  • Messezentrum Salzburg

Wie Gartner bis zu 95 Prozent CO2 einsparen will

Ökologischer geht’s derzeit kaum: Mit 1,3 Meter verlängerten Aufliegern und LNG-Zugmaschinen setzt das Transportunternehmen Gartner in Sachen Nachhaltigkeit ein deutliches Signal. Warum das aber nur in Deutschland gelingt.

© Der Österreichische Transporteur / Marco Dittrich
10 Iveco S-Way mit LNG-Antrieb gesellen sich zur 2.000 Zugmaschinen umfassenden Gartner-Flotte.

Es ist einfach nur skurril. Während man sich hierzulande über die ökologischen Folgen des „importierten Tanktourismus“ den Kopf zerbricht, werden Transportunternehmer dazu gezwungen, Nachhaltigkeit zu exportieren, statt damit auch auf heimischen Straßen zu brillieren: Österreichs größter Lkw-Flottenbetreiber hat kürzlich in zehn Iveco S-Way Sattelzugmaschinen für den Einsatz in Deutschland investiert, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betrieben werden und gemeinsam mit 1,3 Meter längeren Sattelaufliegern die zurzeit ökologischste, praktisch umsetzbare Transporteinheit im Fernverkehr darstellt. Aber eben nur in Deutschland Sinn macht. Denn die verlängerten Auflieger sind dort im Gegensatz zu Österreich erlaubt und ersparen eine von fünf Fahrten. Und die LNG-Fahrzeuge werden in Deutschland gefördert und sind von der Lkw-Maut befreit – doch dazu später mehr. Österreichs politische Entscheidungsträger legen sich jedenfalls gegen diese Alternativen quer.

Volumentransporte

Beim international tätigen oberösterreichischen Transportunternehmen Gartner geht man davon unbeirrt in die Offensive und hat neben 120 der beschriebenen Schwarzmüller Volumen-Lang-Sattel nun auch 10 LNG-Zugmaschinen in Dienst gestellt, die für die Logistik eines großen schwedischen Möbelhauses in Nord- und West-Deutschland zum Einsatz kommen. „Der Iveco S-Way hat mich vom ersten Augenblick an fasziniert – ein tolles Fahrzeug“, sagt Christian Gartner. Der Sohn von Richard Gartner bestimmt seit geraumer Zeit genauso wie sein Cousin Georg (Sohn von Klaus Gartner) die Geschicke des Familienunternehmens mit. Acht Familienmitglieder findet man übrigens unter den insgesamt 3.500 Mitarbeitern der Gartner KG. 

 

© Der Österreichische Transporteur / Marco Dittrich
Von links: Bernd Höllerer (Iveco Austria), Christian und Georg Gartner sowie Marcus Schwarzbauer.

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NP steht für „Natural Power“ und verweist auf die LNG-Technologie.

Die LNG-Kompetenz

Im Hause Gartner schreibt man dem italienischen Lkw-Hersteller die Kompetenz in Sachen LNG zu – mit nach eigenen Angaben europaweit mehr als 7.000 verkauften LNG Fahrzeugen kann Iveco mit einer entsprechenden Expertise aufwarten. Bekanntlich forcieren lediglich zwei weitere Lkw-Produzenten den alternativen Antrieb mit verflüssigtem Erdgas. „Der S-Way ist mit 460 PS Spitzenmotorisierung aber definitiv der leistungsfähigste LNG-Lkw am Markt“, ist sich Gartner-Prokurist Marcus Schwarzbauer sicher.

„Iveco hat sich früh dieser Technologie angenommen und kann daher mit der meisten Erfahrung im Einsatz mit verflüssigtem Erdgas aufwarten“, ergänzt Georg Gartner. Um selbst ausreichend Erfahrung mit der alternativen Antriebstechnologie sammeln zu können, hat man nun in die zehn Zugmaschinen mit der fast unscheinbaren blauen „NP“-Aufschrift („Natural Power“) investiert. Zwar mit Wartungs- und Reparaturvertrag versehen, jedoch ohne Rückkaufvereinbarung. „Wir wollen uns intensiv damit befassen, wie sich diese Technologie bewährt“, begründet Christian Gartner beim Besuch von „Der Österreichische Transporteur“ diese Vorgehensweise bei der Einreihung der außergewöhnlichen Fahrzeuge in die insgesamt knapp 2.000 Zugmaschinen umfassende grün-gelbe Flotte. Damit bewegt man sich derzeit auf nahezu historischem Höchststand. 

Volumentransporte

Von den zehn LNG-Zugmaschinen erhofft man sich nun Aufschlüsse zum Praxiseinsatz von verflüssigtem Erdgas. „Das erforderliche Tankstellennetz wächst in Deutschland massiv“, unterstreicht Georg Gartner. Bereits mehr als 20 derartige Tankstellen findet man in Deutschland, europaweit 250, in Österreich bislang lediglich zwei (im Ennshafen und bei Graz). Die OMV will schon bald zwei LNG-Tankstellen in Suben und Himberg bei Wien in Betrieb nehmen.

Die Gartner-Volumentransporter mit 96 cm Aufsattelhöhe sollen aber ohnedies 1.100 Kilometer Reichweite ermöglichen. „Bei Standard-Zugmaschinen sind bis zu 1.600 Kilometer Fahrleistung mit unseren LNG-Modellen möglich“, ergänzt Bernd Höllerer von Iveco Austria. „Die Technik wurde schrittweise verfeinert und perfektioniert. Das bedeutet nicht nur niedrige Verbräuche und geringe Emissionen, sondern auch höchste Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit!“

Bei Gartner kam natürlich auch der Umweltaspekt dazu: Ein Gasmotor ist im Betrieb nicht nur wesentlich leiser, sondern auch umweltfreundlicher als ein vergleichbarer Dieselmotor. Im Vergleich zu einem Diesel-Lkw sind die NOx- und Partikelemissionen deutlich geringer. Kommt Biogas zum Einsatz, lassen sich gar bis zu 95 Prozent CO2 einsparen. „Ob der S-Way mit LNG auch im Verbrauch günstiger ist, werden wir dann in der Praxis sehen“, sagt Georg Gartner. 

 

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Leiser und umweltfreundlicher dank LNG: Kommt Biogas zum Einsatz, lassen sich bis zu 95 Prozent CO2 einsparen.

Serienmäßig mautfrei

Eine deutliche finanzielle Ersparnis kann man mit dem LNG-Einsatz in Deutschland einfahren: Denn dort sind diese Lkw bis Ende 2023 von der Maut befreit. Darüber hinaus wird der Ankauf vom deutschen Staat mit bis zu 12.000 Euro bezuschusst. „Mit diesen Kostenvorteilen sind die Mehrkosten der Anschaffung je nach Laufleistung relativ schnell amortisiert“, macht Prok. Schwarzbauer abschließend auf einen wesentlichen Beweggrund für die Anschaffung der LNG-Fahrzeuge aufmerksam. In Österreich blühen die LNG-Lkw aufgrund der fehlenden staatlichen Unterstützung weiterhin nur im Verborgenen. Fließtext eingebauen.
Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet.

Quelle: „Der österreichische Transporteur - Offizielle Fachzeitschrift des Fachverbandes und der Fachgruppen des Güterbeförderungsgewerbes – Marco Dittrich