• 15. - 18.03.2022
  • Messezentrum Salzburg

Das kleine 1x1 der LKW-Traktion

Auf Baustellen, Deponien, in Steinbrüchen oder im Wald spielt die Traktion eine entscheidende Rolle. Welche Möglichkeiten gibt es? 

Naturgemäß ist hier ein Allradantrieb im Vorteil. 4x4-, 6x6- oder 8x8-Fahrzeuge sind aber zumeist teurer in der Anschaffung, haben durch das höhere Gewicht der Allradkomponenten eine geringere Nutzlast und konsumieren mehr Kraftstoff. „Der Österreichische Transporteur“ hat die wichtigsten Alternativen zum Allradantrieb zusammengefasst.

© Daimler 
Allrad auf Knopfdruck - Der hydrostatische Zusatzantrieb erfreut sich bei Österreichs Bau-Transporteuren hoher Beliebtheit.

 

Die unkonventionelle Kombination: Auflieger mit Antrieb

Im Vorjahr präsentierte Scania dazu eine sehr unkonventionelle Kombination: Einen R 500 XT 4x2 mit Schwarzmüller-Auflieger mit hydraulisch angetriebene Hinterachse von SAF Holland. Das System wird bei eingeschaltetem Nebenabtrieb mittels Kippschalter im Cockpit aktiviert. Außerdem muss ein Gang eingelegt sein (Opticruise-Getriebe auf „D“), mittels Gas geben wird die Traktionsunterstützung durch den Auflieger abgerufen – die Arbeit des Hydraulikmotors ist dabei akustisch gut wahrnehmbar. 

© Iveco
Boost at start - Maximales Drehmoment vom Stand weg beim Iveco X-Way Hi-Traction.

 

Mit derartiger Unterstützung waren bei den Fahrversuchen von „Der Österreichische Transporteur“ dann auch Anstiege zu schaffen, die zuvor mit lediglich einer angetriebenen Achse der Sattelzugmaschine nicht bewältigt werden konnten. Das System funktioniert auch bei Rückwärtsfahrt. Bei zu hoher Geschwindigkeit (ab etwa 13 km/h) und bei zu hoher Öltemperatur schaltet das System automatisch ab. Der Zusatzantrieb steht allerdings nur zur Verfügung, wenn die Zugmaschine gewisse Voraussatzungen erfüllt. 

© SAF 
Die Lösung von SAF - Der rote Pfeil zeigt auf die hydraulisch angetriebene Hinterachse des Aufliegers.

Hydrostatischer Zusatzantrieb als „Allrad light“

Mit Ausnahme von Scania haben mittlerweile alle Lkw-Hersteller einen hydrostatischen Zusatzantrieb in ihrem Repertoire. HydroDrive (MAN), Hydraulic Auxiliary Drive HAD (Mercedes-Benz), OptiTrack (Renault Trucks), X-Track (Volvo Trucks), Paul Xtra Power (DAF) oder Hi-Traction (Iveco): Diese Systeme liefern eine auf Radnabenmotoren basierende und per zusätzlicher Ölpumpe betriebener bei Bedarf zuschaltbare Vorderachse. Dieser „Allrad light“ stellt in den meisten Fällen eine effiziente Anfahrhilfe dar und verhindert ein Steckenbleiben oder Festfahren. Die Wirkung dieser Zusatzantriebe unterscheidet sich nur in Nuancen. Marken-Vorlieben und Loyalität zum Händlerbetrieb werden daher bei der Kaufentscheidung eine gleichfalls wichtige Rolle spielen.

© MAN 
Der Berglöwe - MAN TGS 18.440 mit „HydroDrive“.

 

Wunschgedanke der LKW-Betreiber: Ein 5-Achser

Zahlreiche heimische Baustellen-Lkw-Betreiber würden ihre Flotte gern mit Fünfachs-Kippern erweitern. Diese bieten gegenüber Zugmaschinen mit Kippsattel einige Vorteile:

  • nur C-Schein erforderlich
  • standsicherer beim Kippen
  • wendiger als Kippsattel in der Stadt
  • einfacher zu fahren
  • geländegängiger
  • mehr Nutzlast
  • guter Wendekreisradius
  • weniger Reifenverschleiß

Dringend erforderlich für einen wirtschaftlichen Einsatz von 5-Achs-Kippern in Österreich ist aber die Erhöhung des Gesamtgewichts von 32 auf 40 Tonnen. Und die scheint in weiter Ferne zu sein.

© Der Österreichische Transporteur 
„Der Österreichische Transporteur“-Redakteur Andreas W. Dick bei Testfahrten mit einem DAF-Fünfachser in Andalusien.


Quelle: „Der österreichische Transporteur - Offizielle Fachzeitschrift des Fachverbandes und der Fachgruppen des Güterbeförderungsgewerbes – Andreas W. Dick